Herbert-Wehner-Bildungswerk e. V.
Aktuelles-Artikel
16. Oktober 2026
Qualifizierungszeit: Mehr Zeit für Bildung in Sachsen
Ab dem 1. Januar 2027 gibt es auch in Sachsen einen gesetzlichen Anspruch auf Qualifizierungszeit (Bildungszeit). Beschäftigte, die bereits länger als sechs Monate bei ihrem Arbeitgeber tätig sind, können jährlich bis zu drei Arbeitstage für anerkannte Weiterbildungen nutzen – auch für politische Bildung und Qualifizierungen im Ehrenamt.
Das eröffnet neue Möglichkeiten: Wer sich mit Geschichte und Politik beschäftigt, sich kommunal engagiert, Verantwortung im Verein übernimmt oder sich für Demokratie und Gesellschaft stark macht, kann Weiterbildung künftig leichter mit dem Berufsalltag verbinden. Die Qualifizierungszeit ist damit auch eine Chance, neue Perspektiven zu gewinnen, Wissen zu vertiefen und das eigene Engagement zu stärken.
Wichtig für Beschäftigte: Die Freistellung muss grundsätzlich spätestens zwölf Wochen vor Beginn der Weiterbildung beim Arbeitgeber angemeldet werden. Die Weiterbildung müssen Beschäftigte selbst bezahlen. Betriebliche Gründe können einer Freistellung entgegenstehen. Kleine Betriebe erhalten für Beschäftigte, die Qualifizierungszeit in Anspruch nehmen, einen finanziellen Ausgleich.
Welche Veranstaltungen genau anerkannt werden und wie das Antragsverfahren abläuft, wird derzeit (Stand Oktober 2026) noch geregelt. Lass dich davon nicht abhalten: Informiere dich beim Sächsischen Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr (SMWA) über deine Möglichkeiten (per E-Mail an: buergerbeauftragte@smwa.sachsen.de | Tel.: 0351-56480605) und plane deine Bildungszeit frühzeitig. Denn politische Bildung ist nicht nur persönliche Weiterbildung – sie stärkt die Fähigkeit, unsere Gesellschaft mitzugestalten.
Mehr Informationen zum Verfahren und welche unserer Angebote dem Qualifizierungszeitgesetz entsprechend anerkannt sind, erfährst du, sobald wir mehr Informationen vom SMWA haben, hier auf unserer Website.
Aktuelles-Artikel
16. Oktober 2026
Seminarprogramm 2027 ist online!
Qualifizierungszeit nutzen und auf diese Weise Geschichte, Menschen, Orte, Themen sowie Kompetenzen für sich entdecken.
Unser neues Seminarprogramm für 2027 ist online – mit Gedenkstätten- und Bildungsfahrten, Seminaren und Exkursionen für alle, die genauer hinschauen, dazulernen und selbst etwas bewegen wollen.
Von Breslau über Kiel nach Den Haag: Geschichte verstehen, Gegenwart hinterfragen
2027 nehmen wir euch wieder mit an Orte, an denen Geschichte lebendig wird und politische Fragen ganz konkret werden. In Breslau/Wrocław verfolgen wir, wie aus der über Jahrhunderte deutschen Stadt das heutige polnische Wrocław wurde – und was Widerstand, Neuanfang und deutsch-polnische Verständigung miteinander zu tun haben. In Den Haag geht es um das Völkerrecht: Wie ist es entstanden, wer schützt es und was passiert, wenn Staaten sich nicht daran halten?
Auch andere Fahrten folgen einem erkenntnisreichen Spannungsbogen: In Kiel treffen der Matrosenaufstand von 1918, die heutige Rüstungsindustrie und die Sicherheitsdebatten rund um die Ostsee aufeinander. In Elsass-Lothringen und Straßburg erkunden wir, wie aus einer konfliktreichen deutsch-französischen Geschichte eine europäische Partnerschaft wurde. Und zwischen Hambach und Heidelberg folgen wir den Spuren der Demokratiebewegung – vom Hambacher Fest bis zu studentischen Protesten und gesellschaftlichen Umbrüchen.
#demokratierelevant: Gedenkstätten als Brücke zur Gegenwart
Wer sich mit der NS-Vergangenheit und ihren Folgen (bis heute) auseinandersetzen möchte, findet ebenfalls vielfältige Angebote: Wir besuchen mit euch die Gedenkstätten Auschwitz, Buchenwald, Sachsenhausen und Theresienstadt. In Chemnitz und Zwickau beschäftigen wir uns mit der Geschichte des rechtsterroristischen Netzwerks NSU-Komplex, mit dessen Opfern und der gesellschaftlichen Aufarbeitung.
Gleichermaßen haben die Geschichte des DDR-Unrechts und die Schicksale politisch Verfolgter ihren Platz in unserem Programm. Die Gedenkstätten Hoheneck, Bautzen und Berlin-Hohenschönhausen machen deutlich, was es bedeutet, wenn ein Staat Freiheit unterdrückt und Menschen ihrer Rechte beraubt. Zugleich lenken sie den Blick auf die Gegenwart: Wie bewahren wir die Erinnerung an die Opfer? Was können wir aus den Erfahrungen der Vergangenheit lernen? Und wie können wir Demokratie und Menschenrechte heute schützen?
Jetzt ist die Zeit zum Handeln – wir machen euch fit dafür
Politische Bildung hilft dabei, im Hier und Jetzt handlungsfähig zu bleiben. Deshalb gibt es 2027 wieder Seminare, in denen ihr Methoden ausprobieren, neue Fähigkeiten entwickeln und Erfahrungen austauschen könnt.
Wie moderiert man eine Diskussion, wenn die Stimmung kippt? Wie lassen sich Schutzkonzepte für Vereine entwickeln? Und wie gelingt gute Zusammenarbeit, wenn Teams ohne klassische Hierarchien arbeiten? Unsere Angebote reichen von Moderationstrainings mit Videoanalyse über Gewaltfreie Kommunikation bis zur Sommerwerkstatt, in der wir Moderation, Schutzkonzepte und Awareness zusammendenken.
Unser Programm hat natürlich auch kommunalpolitisch wieder einiges zu bieten: von den Grundlagen der Arbeit im Gemeinde- bzw. Stadtrat über kommunale Finanzen und Beteiligungsmöglichkeiten für Einwohner:innen bis hin zum Umgang mit rechtswidrigen oder populistischen Anträgen.
2027 gibt es noch einen Grund mehr, dabei zu sein
Ab dem 1. Januar 2027 gibt es auch in Sachsen einen gesetzlichen Anspruch auf Qualifizierungszeit (Bildungszeit/Bildungsurlaub). Beschäftigte, die bereits länger als sechs Monate bei ihrem Arbeitgeber tätig sind, können jährlich bis zu drei Arbeitstage für anerkannte Weiterbildungen nutzen – auch für politische Bildung und Qualifizierungen im Ehrenamt. Das eröffnet neue Möglichkeiten: Wer sich mit Geschichte und Politik beschäftigt, sich kommunal engagiert, Verantwortung im Verein übernimmt oder sich für Demokratie und Gesellschaft stark macht, muss künftig nicht mehr seinen Erholungsurlaub „opfern“.
Welche Veranstaltungen genau anerkannt werden und wie das Antragsverfahren abläuft, wird derzeit (Stand Oktober 2026) noch geregelt. Lass dich davon nicht abhalten: Informiere dich beim Sächsischen Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr (SMWA) über deine Möglichkeiten (per E-Mail an: buergerbeauftragte@smwa.sachsen.de | Tel.: 0351-56480605) und plane deine Bildungszeit frühzeitig. Denn politische Bildung ist nicht nur persönliche Weiterbildung – sie stärkt die Fähigkeit, unsere Gesellschaft mitzugestalten.
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07. Oktober 2026
Frauen in die Kommunalpolitik: Jetzt erst recht!
Wir sind wieder am Start mit unserem wichtigen und langjährig bewährten Workshop „Frauen in die Kommunalpolitik“. Karin und die wunderbare Martina Angermann, als ehemalige Bürgermeisterin unser praxiserfahrener „Sidekick“, waren am 6. Oktober vor Ort im Feuerwehrhaus von Malschwitz-Baruth im Bautzner Landkreis – auf Anfrage von FRIDA.
Liebe Frauen, Ihr seid toll! Ihr wart diskussionsbereit, offen für neues Wissen, mitdenkend – ein Abend, von dem wir mit Fug und Recht sagen können: kommunalpolitische Bildung vom Feinsten.
Frauen, wie euch braucht es gerade jetzt. Denn auch in Sachsens Stadt- und Gemeinderäten verschieben sich die politischen Kräfteverhältnisse. Die AfD ist in zahlreichen Stadt- und Gemeinderäten stark vertreten oder sogar stärkste Kraft.
Deshalb nehmen wir bereits jetzt die Kommunalwahlen 2029 in den Blick, um Frauen für Kommunalpolitik zu begeistern und fit zu machen. Wann, wenn nicht jetzt ist der Zeitpunkt, sich einzumischen, Verantwortung zu übernehmen und die eigene Gemeinde oder Stadt mitzugestalten? Kommunalpolitik entscheidet ganz konkret darüber, wie unser Zusammenleben vor Ort aussieht. Doch nur 22 Prozent der Sitze in den Stadt- und Gemeinderäten sind seit der letzten Kommunalwahl 2024 mit Frauen besetzt. Das muss sich ändern, damit unterschiedliche Perspektiven und Lebensrealitäten in diesen Gremien vertreten sind.
Ihr alle: Fragt gerne an! Wir kommen mit Pinnwand, Flipchart-Rolle und einer Kommunalpolitikerin an Bord gerne und jederzeit zu Euch. Wir zeigen euch, wie Kommunalpolitik funktioniert und wie ihr Hürden überwindet, die euch vielleicht noch davon abhalten, selbst aktiv zu werden.
Aktuelles-Artikel
28. September 2026
Zwischen Industrie, Arbeit, Migration und Freiräumen
Drei Tage Bildungsfahrt nach Hannover und Wolfsburg
Was haben ein alternatives Stadtentwicklungsprojekt in Hannover, die Geschichte der Arbeitsmigrant:innen in Wolfsburg und die Zukunft von Volkswagen miteinander zu tun? Auf den ersten Blick vielleicht nicht viel. Auf unserer Bildungsfahrt vom 20. bis 22. September 2026 wurde jedoch schnell deutlich: Hinter allen drei Themen stehen Menschen, Arbeit, politische Entscheidungen – und die Frage, wie wir unsere Städte und unsere Gesellschaft gestalten wollen.
Mit dabei war auch das Wehnerwerk-Team. Gemeinsam mit den Teilnehmenden ging es zunächst von Dresden nach Magdeburg, anschließend nach Wolfsburg und Hannover und schließlich wieder zurück nach Dresden. Drei Tage lang haben wir Orte besucht, mit Menschen gesprochen, Geschichte betrachtet und immer wieder den Blick auf aktuelle politische Fragen gerichtet.
Was passiert, wenn ein großes Industrieprojekt plötzlich wegfällt?
Der erste Halt führte nach Magdeburg. Dort sprach die Gruppe mit Sabine Lindenau, Chefreporterin der Magdeburger Volksstimme über die abgesagte Intel-Ansiedlung und ihre Folgen. Milliardeninvestitionen, neue Arbeitsplätze, Infrastruktur und die Hoffnung auf einen wirtschaftlichen Schub hatten die Planungen geprägt. Nun musste sich die Stadt mit der Frage auseinandersetzen, wie es nach dem Aus der Ansiedlung weitergeht.
Damit war gleich zu Beginn ein Thema gesetzt, das uns auch in Wolfsburg wieder begegnen sollte: Was bedeutet es für eine Stadt, wenn ihre wirtschaftliche Entwicklung eng mit großen Industrieunternehmen verbunden ist? Und welche Möglichkeiten hat Kommunalpolitik eigentlich darauf, wenn sich wirtschaftliche Rahmenbedingungen verändern?
Wolfsburg: Eine Stadt, die ohne Volkswagen kaum zu verstehen ist
In Wolfsburg wurde diese Frage besonders greifbar. Die Stadt entstand Ende der 1930er Jahre als Planstadt rund um das Volkswagenwerk. Industrie, Stadtplanung und nationalsozialistische Politik waren von Anfang an eng miteinander verbunden.
Wer heute durch Wolfsburg geht, begegnet Volkswagen beinahe überall – in der Stadtstruktur, in der Arbeitswelt und im Selbstverständnis der Region. Genau deshalb war es spannend, nicht nur auf die aktuelle wirtschaftliche Lage des Konzerns zu schauen, sondern auch auf die Menschen, die Volkswagen in den vergangenen Jahrzehnten mit aufgebaut haben.
„Gastarbeiter:innen“ – Sie kamen, um zu arbeiten, und fanden eine neue Heimat
Ein besonderer Programmpunkt war das Gespräch zur Geschichte der Arbeitsmigration mit Aleksander Nedelkovski von der Geschichtswerkstatt Wolfsburg. Ab den 1950er Jahren warb die Bundesrepublik Arbeitskräfte aus anderen Ländern an. Auch Volkswagen setzte zunehmend nach der deutschen Teilung auf Arbeitsmigration. Im Mittelpunkt unseres Gesprächs standen Lebens- und Arbeitsbedingungen der sogenannten „Gastarbeiter“, ihre Bedeutung für den wirtschaftlichen Aufstieg der Bundesrepublik und die Frage, wie sich aus einem zunächst als vorübergehend gedachten Aufenthalt dauerhafte Lebensgeschichten entwickelten.
Besonders eindrücklich wurde das Gespräch dadurch, dass Aleksander Nedelkovski seine Mutter als Zeitzeugin mitgebracht hatte. Als junge Frau kam sie aus Mazedonien als Arbeitsmigrantin nach Deutschland und berichtete von ihren Beweggründen, die Heimat zu verlassen, von ihrem Ankommen in Deutschland und ihren Erfahrungen. So wurde aus einem historischen Thema eine ganz persönliche Geschichte.
Hannover: Politik entscheidet über Wirtschaft – und Wirtschaft verändert Politik
Am zweiten Tag ging es nach Hannover in den Niedersächsischen Landtag. Im Gespräch mit dem Abgeordneten Christoph Bratmann (Mitglied im Ausschuss für Wirtschaft, Verkehr und Bauen) standen die Beziehungen zwischen Landespolitik, Industrie und Beschäftigten im Mittelpunkt.
Das war mehr als ein klassischer Landtagsbesuch. Denn Niedersachsen ist über seine Beteiligung an Volkswagen unmittelbar mit dem Unternehmen verbunden. Wenn bei VW über Produktionsstandorte, Arbeitsplätze und Investitionen entschieden wird, betrifft das deshalb nicht nur ein Unternehmen, sondern auch Regionen, Kommunen und öffentliche Haushalte.
Die Aktualität dieses Themas war während unserer Fahrt unmittelbar spürbar: Volkswagen steht 2026 unter erheblichem Kostendruck und befindet sich mitten in einem tiefgreifenden Umbau. Zehntausende Arbeitsplätze stehen bereits zur Disposition beziehungsweise sollen in den kommenden Jahren wegfallen; zugleich ist die Zukunft einzelner deutscher Standorte offen. Betriebsrat und IG Metall drängen auf Beschäftigungssicherung und Investitionen, während der Konzern auf Kostensenkungen, Wettbewerbsfähigkeit und neue Geschäftsfelder im Bereich Sicherheits- und Verteidigungslösungen setzt.
Damit wurde eine Frage aus dem Abgeordnetengespräch plötzlich sehr konkret: Welche Verantwortung trägt Politik, wenn die Entscheidungen eines großen Unternehmens über die Zukunft einer ganzen Region mitbestimmen?
Hannover-Linden: Arbeiterstadtteil, Widerstand und alternative Kultur
Am Nachmittag tauchten wir in die Geschichte Hannovers-Lindens ein. Bei der politischen Stadtteilführung mit Mitarbeitenden der Egon Kuhn Geschichtswerkstatt wurde schnell deutlich: Linden lässt sich kaum verstehen, ohne seine Geschichte als Arbeiterstadtteil zu kennen.
Industrialisierung und Fabrikarbeit prägten das Viertel über Generationen. Die Geschichte der Lindener Arbeiterfamilien erzählt dabei nicht nur von oft schwierigen Arbeits- und Lebensbedingungen, sondern auch von Solidarität, Selbstorganisation und politischem Engagement. Die Egon Kuhn Geschichtswerkstatt bewahrt diese Geschichte und macht sie auf ganz unterschiedliche Weise sichtbar – etwa in ihren Arbeiten zur ehemaligen Fannystraße, die einst von Arbeiter:innen der Textilindustrie bewohnt wurde.
Ein weiterer Schwerpunkt der Führung lag auf der Zeit des Nationalsozialismus. Linden war auch ein Ort politischen Widerstands. Besonders eindrücklich ist die Geschichte der Sozialistischen Front, einer sozialdemokratischen Widerstandsorganisation, die in Hannover ein großes Netzwerk gegen das NS-Regime bildete. Mitglieder der Widerstandsgruppe wurden verhaftet und teilweise zu langjährigen Haftstrafen verurteilt.
Auch andere linke und antifaschistische Kräfte prägten die politische Geschichte des Stadtteils. Die Erinnerung daran ist in Linden bis heute präsent – und gehört zu einer Lokalgeschichte, die nicht nur von Fabriken und Wohnhäusern erzählt, sondern auch von politischer Haltung, Widerstand und Solidarität.
Und dann ist da das Linden der Gegenwart: ein Stadtteil mit einer lebendigen alternativen und teilweise dezidiert linken Szene, mit Kulturprojekten, selbstorganisierten Orten, Kneipen, Vereinen und Initiativen. Dass diese politische und kulturelle Tradition nicht einfach Vergangenheit ist, wurde bei unserem Rundgang unmittelbar spürbar.
Ein besonderer Höhepunkt: Das PLATZprojekt
Am späten Nachmittag besuchte die Gruppe das PLATZprojekt in Hannover-Linden. Und spätestens hier wurde aus dem Thema Stadtentwicklung etwas, das man nicht nur diskutieren, sondern tatsächlich sehen und erleben konnte.
Auf einem ehemaligen, ungenutzten Industriehof entstand seit 2013 ein außergewöhnlicher Ort: Container, Werkstätten, Veranstaltungsräume, Projekte und Begegnungsorte bilden ein urbanes Experimentierfeld. Das PLATZprojekt versteht sich als Modell-, Forschungs- und Best-Practice-Projekt für experimentelle Stadtentwicklung.
Das Besondere: Hier wird nicht erst jahrelang geplant, bevor etwas passiert. Die Grundidee lautet „DO-Ocracy“. Menschen mit Ideen bekommen Raum, Infrastruktur und die Möglichkeit, Dinge selbst auszuprobieren. Ob Workshop, Konzert, Lesung, Start-up, Verein oder Werkstatt: Das PLATZprojekt versteht sich als Ort, an dem Projekte entstehen können, die in der Stadt bislang keinen Platz haben.
Damit ist das PLATZprojekt weit mehr als eine Ansammlung ungewöhnlicher Container. Es ist ein Ort alternativer Soziokultur und ein Reallabor für die Frage, wie Stadt auch funktionieren kann: selbstorganisiert, mit flachen Hierarchien und mit viel Raum für Eigeninitiative.
Für unsere Gruppe war das eines der Highlights der gesamten Fahrt. Denn hier konnten wir ganz praktisch erleben: Was, wenn Menschen nicht nur meckern, sondern anfangen, ihre Stadt selbst zu gestalten?
Dass dieses Konzept inzwischen auch von der Stadt Hannover unterstützt wird und der Stadt das Gelände gehört, zeigt zugleich, wie aus einem zunächst selbst initiierten Experiment ein dauerhaftes Stadtentwicklungsprojekt werden kann.
Zurück nach Wolfsburg: Erinnern heißt Verantwortung übernehmen
Am letzten Tag führte der Weg wieder nach Wolfsburg. Bei einer Stadtführung ging es noch einmal um die besondere Entstehungsgeschichte der Stadt und die Verbindung von Stadt, Volkswagen und nationalsozialistischer Industriepolitik.
Anschließend besuchten wir die Erinnerungsstätte an die Zwangsarbeit auf dem Gelände des Volkswagenwerks und beschäftigten uns mit einem der dunkelsten Kapitel der Unternehmensgeschichte.
Während des Zweiten Weltkriegs wurden tausende Menschen aus den von Deutschland besetzten Ländern sowie KZ-Häftlinge und Kriegsgefangene zur Arbeit im Volkswagenwerk gezwungen. Die Ausstellung macht sichtbar, unter welchen Bedingungen diese Menschen leben und arbeiten mussten und wie eng industrielle Produktion, staatliche Gewalt und systematische Entrechtung miteinander verbunden waren.
Damit schloss sich ein Bogen, der die gesamte Fahrt begleitete: Arbeit ist nie nur eine wirtschaftliche Kategorie. Hinter Produktionszahlen, Arbeitsplätzen und Standortentscheidungen stehen Menschen – mit ihren Biografien, Hoffnungen und Erfahrungen.
Genau das macht Bildungsfahrten des Wehnerwerks aus: Wir schauen nicht nur auf Geschichte oder aktuelle Politik. Wir gehen an die Orte, an denen gesellschaftliche Fragen sichtbar werden, sprechen mit Menschen vor Ort und bringen unterschiedliche Perspektiven miteinander ins Gespräch.
Und manchmal findet man dabei einen Ort wie das PLATZprojekt, der zeigt, dass Stadtentwicklung nicht nur etwas ist, das andere machen. Man kann selbst anfangen.
Aktuelles-Artikel
28. September 2026
Willkommen im Team
Dürfen wir vorstellen? Lisa ist unsere neue FSJlerin. Seit dem 1. September 2026 absolviert sie ihr FSJ Politik im Wehnerwerk. Die Abiturientin stammt aus dem Osterzgebirge und engagiert sich dort und auf sächsischer Ebene in der Linksjugend. Während ihres FSJ bei uns möchte sie Einblicke in die politische Bildungsarbeit bekommen und ganz viele praktische Erfahrungen sammeln.
Liebe Lisa, auch wenn du nun schon fast einen Monat bei uns bist, heißen wir dich hier noch einmal ganz herzlich willkommen – wir freuen uns sehr, dass du da bist.