‹ alle Aktuelles-Artikel anzeigen

19. Januar 2021

31. Todestag: Wir erinnern an Herbert Wehner

Am 19. Januar 1990 verstarb Herbert Wehner nach langer Krankheit im Alter von 83 Jahren. Der Journalist Ulrich Rosenbaum erinnert sich an diesen Tag:
Ich war jener Journalist, der als Erster vom Tode Herbert Wehners erfahren und die Nachricht verbreitet hat. An jenem 19. Januar war der alljährliche Jahresempfang von Johannes Rau im Engels-Haus in Wuppertal. Durch Zufall bekam ich mit, wie ein aufgeregter Holger Börner Rau zuflüsterte „Herbert ist gestorben.“ Ich ging raus zu einer Telefonzelle und rief meinen früheren Bergedorfer Nachbarn Jens-Peter Burmester an. Der bestätigte und wollte sich gerade auf den Weg nach Bonn machen.

Der große Politiker, Demokrat und leidenschaftliche Sozialdemokrat bleibt vielen Wegbegleitern, aber auch der Öffentlichkeit in guter oder zumindest respektvoller Erinnerung. Seine Wortgefechte im Bonner Bundestag sind heute noch legendär.
Herbert Wehner stand zu seinen Auffassungen, warb für die politische Auseinandersetzung und für den Kompromiss. Dabei waren die Demokratie und die soziale Gerechtichkeit stets die Grundlage seines Handelns. Wenn jemand diese verließ, konnte er schon mal handgreiflich werden. Seine alte Heimat, Dresden, blieb ihm immer sehr nah. Besonders die Ost-Politik und der Einsatz für die Wiedervereinigung, die er im Oktober 1990 nicht mehr miterlebte, waren ihm eine Herzensangelegenheit.
Vieles, was damals die Politik bewegte, ist auch heute noch aktuell. Gerade in der aktuellen Situation haben Herbert Wehners Worte von 1959 nicht an Kraft verloren:
Allgemeines Wohl, wie wir es verstehen, ist a) das Wohl jedes einzelnen, b) das Wohl aller, was ja mehr noch ist als das Wohl jedes einzelnen, und c) was noch mehr ist und alles umschließt: Das Wohl des Ganzen.